In der Schwebe – oder: der Abingdöner.

Sei das Projekt, könnte man meinen. Es ist ja wieder recht lange nichts passiert. Aber sei versichert, werter Leser, das ist rein online. Offline, oder IRL, wie die Generation Y so schon abbreviert spricht, ist durchaus etwas passiert. Das Biest schwebt.

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Und hat auch schon das erste Mal mit der Flex Bekanntschaft geschlossen. Dafür habe ich ja den ganzen Aufwand betrieben.

Wenn einer ein Auto restauriert hat er viele Möglichkeiten, zum Beispiel Grube, Böcke oder Hebebühne. Diese Möglichkeiten haben aber ein ganz großes Problem gemeinsam: Unten bleibt unten. Egal wie hoch die Karre hängt. Selbst wenn Dirk Nowitzki bequem drunter durchmarschieren kann, artet die Arbeit an Unterboden und Schwellern in geradezu Rückgrat mordende Folter aus. Nicht, dass es so nicht funktioniert – aber für mich Grund genug, mir eine Erleichterung zu ersinnen: eine Rotisserie.

Mit so einem Hilfsgestell lässt sich die Rohkarosse um 360° drehen und der Herr Schrauber, das faule Stück, muss sich nicht bücken oder verrenken. Der Haken an den Drehgestellen: der Preis. So gut wie alle im Internet angebotenen (bei ATU findet sich so was nämlich nicht gerade) sind sauteuer. Einzig in England bin ich auf ein paar günstige Angebote gestoßen, die mit Versand aber nicht mehr wirklich günstig waren. Es bleib also nur der Eigenbau.

Basis des Konstrukts sind zwei Motorständer zu je €59,99. Die Dinger tragen angeblich bis zu 567 Kg und sollten damit ausreichend kräftig für die MGB-Rohkarosse sein, allerdings muss etwas nachgearbeitet werden.

Der erste Schritt ist, das Ständer-Vierkantrohr zu verlängern. Der Grund ist, dass der Ständer etwas zu niedrig ist, als dass man die Karosse wirklich komplett drehen könnte. Ein halber Meter 60x60x5mm Vierkantrohr je Seite ist völlig ausreichend.

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Auf die Trägerplatte des Motorständers habe ich dann senkrecht ein 50cm langes 50x50x2mm Vierkantrohr geschweißt, das oben mit einem passenden Stück Flachstahl verschlossen und mit einer 13mm Bohrung versehen wurde. In diesem Vierkantrohr läuft ein 45x45x2 Rohr, an dem unten der eigentliche Querträger verschweißt ist. Verbunden ist das Ganze mittels einer M12 Gewindestange mit drei Langmuttern: eine oben, damit die Gewindestange mit Akkuschraube, Ratsche und Co gedreht werden kann; eine innerhalb des oberen Vierkantrohrs, direkt unterhalb des „Deckels“, damit die Gewindestange nicht rausrutscht, sobald das Gestell auf den Kopf gedreht wird; und schließlich ganz unten, damit der doofe Schrauber nicht im Zustand geistiger Umnachtung alles zusammen krachen lassen kann. Diese Langmuttern sind alle mit der Gewindestange verschweißt. Eine weitere Mutter unten mit dem Querträger innig verbunden.

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Die Idee der ganzen Konstruktion: damit sich die Karosse auch wirklich möglichst leicht drehen lassen kann, muss die Drehachse genau durch den Schwerpunkt der Karosse gehen. Weil ich aber keine Ahnung habe wo der genau liegt und sich der Sack auch ändern kann, sobald Blech weg oder wieder dran kommt, wollte ich die Möglichkeit die Höhe der Karosse innerhalb der Rotisserie schnell, unkompliziert und alleine variieren zu können um Schwerpunkt und Drehachse wieder zur Deckungsgleiche zu verhelfen.

Darüberhinaus sind die eigentlich Karosseriehalter auf einem zusätzlichen Stück Vierkantrohr verschweißt, das auf dem Querträger verschiebbar und mit Bolzen gesichert ist. Das macht die Justage wieder einfacher und ich kann das Gestell auch irgendwann problemlos für einen anderen Wagen verwenden.

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Es funktioniert! Ich kann jetzt nach Lust und Laune mit dem Akkuschrauber die Karosse in die Stellung bringen, die mir gerade genehm ist. Gut ausbalanciert reicht so eine Hand um das Biest auf den Rücken zu legen. Gerade für die Entfernung des Unterbodenschutzes eine enorme Erleichterung…und man wird nicht so zugesaut.

 

3 Kommentare zu “In der Schwebe – oder: der Abingdöner.

  1. Matthias G.

    Respekt!
    Ich bin grad auf Deinen Blog aufmerksam geworden. Super Sache, die bisherigen Berichte, die Bilder vom Frontline, allem voran aber von der Idee und Umsetzung des Fönerspießes. Gibt es da noch ein paar Bilder.
    Mit meinem Tank hab ich nicht soviel Glück, beim erstem Volltanken hatte ich plötzlich starken Benzingeruch in der Garage und auf dem Endschalldämpfer komische Flecken. also hab ich diesen Sommer nur noch max 20l getankt, und unseren ersten gemeinsamen Sommer genossen. Mittlerweile liegt der neue Tank beteits lackiert in der Garage und demnächst fällt der Alte. Mal sehen, wie dann der Kofferboden von unten aussieht….

  2. Florian

    Hey Matthias,
    Danke für die Blumen, was für Bilder würden Dich denn interessieren? Ich kann gerne noch ein paar machen und hier anhängen. Ich habe mir nämlich, bevor ich das Ding zusammengeschweißt habe, bei google die Finger wund getippt um Detailaufnahmen von der Befestigung am Auto zu finden. Sag einfach was Du brauchst :-)
    Ich drück Dir die Daumen, dass der Unterboden nicht nur mehr als Rohling für Schaumkellen zu gebrauchen ist!

  3. Matthias G.

    Hallo Florian,
    ich habe mir das ganze jetzt nach Deiner Beschreibung skizziert, jetzt ist eigentlich alles klar. Gibt es neben der Gewindestange zur Höhenverstellung auch eine Sicherungsmöglichkeit?

    Matthias

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