Läuft.

Seit fast einem Monat ist hier nichts mehr geschrieben worden – aber das heißt nicht, dass einen Stock tiefer, in der zur Werkstatt erkorenen Garage, nichts passiert ist. Im Gegenteil.
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Genau. Der Motor ist raus. Aber der Reihe nach…

Und die Reihe hat nach meiner Logik mit der Beifahrertür begonnen. Warum? Keine Ahnung, wahrscheinlich weil das Dreiecksfenster ohne die Frontscheibe so aufmüpfig in die Luft ragt. Das lief weitestgehend problemlos, sieht man mal von einem kleinen Kampf mit der Seitenscheibe ab. Irgendwie hatte ich nicht kapiert wie ebendiese aus ihrer innigen Verbindung mit dem Fensterheber zu befreien war. Nach einigem Hin und Her, gewürzt mit Beschimpfungen und Grundsatzdiskussionen, ließ sich das gute Stück aber doch zur Kooperation bewegen. Im Grunde ist die Vorgehensweise selbsterklärend wenn man sich die Tür und deren Innenleben mal genauer betrachtet. Zuerst wird die hintere Führungsschiene und die (bei mir) acht Schrauben des Hebemechanismus entfernt. Anschließend habe ich so lange hin und her probiert bis sich die Führungskeile des Hebemechanismus aus der an der Scheibe angebrachten Führungsschiene heraus gefädelt waren. Dann musste ich nur noch eine Position für die Scheibe finden, aus der heraus ich das Glas aus der Tür fädeln konnte. Klingt wage, oder? Ich habe nämlich, um ehrlich zu sein, mittlerweile vergessen welche Position das war, bin aber zuversichtlich mich spätestens bei der Fahrertür wieder zu erinnern. Alles andere wäre auch fatal.

Jedenfalls war nach einiger Zeit die Tür erfolgreich entkernt. Glastechnisch, zumindest.

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Türgriff und Schließmechanismus waren Selbstläufer, einzig das Schloß hat sich etwas widersetzt. Die kleinen Metallzungen, die wie Widerhaken das Schloß in der Tür halten, leisteten deutlich Gegenwehr (nach langem Für und Wider habe ich mich widerstrebend gegen „Widerstand“ entschieden. Widersinnig vielleicht, aber wieder ein „Wider“ empfand ich als widerlich).

DSCN0002Der nächste Punkt auf der Liste: die Getriebetraverse. Die war mir schon lange ein Dorn im Auge, hauptsächlich wegen des mehr als fragwürdigen Zustands der Getriebeaufhängung. Zu recht, wie sich zeigen sollte.

DSCN0034Komplett zugeschmoddert und nur noch in Fragmenten vorhanden. Bei der Demontage hätte ich getrost auf die Ratsche verzichten können. Ein beherzter Ruck hat, zumindest an einer Seite, völlig gereicht um den Silentgummi in zwei Teile zu zerfetzen.

DSCN0035So kam ich zumindest problemlos an die Schrauben am Getriebe. Die Schubstrebe zwischen Motor und Getriebetraverse war natürlich ebenfalls mit einer Mischung aus Öl, original Arizona-Wüstensand und Dreck zugesifft. Nach dem Bekanntmachen mit dem Schaber und einem wohltuenden Bad im Teilewäscher sieht sie aber wieder recht ansehnlich aus.

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Weil mein Plan war, den Wagen im Zuge des Motorausbaus gleich zu drehen um mir bequem die Zier- und Glasteile der Fahrerseite vorzunehmen (die Säule der Hebebühne wäre dafür im Weg gewesen), habe ich mir direkt den Motorraum vorgeknöpft. Heizung, Spritzwasserbehälter, Aktivkohlefilter – alles sollte und flog auch raus. Freudigerweise ohne rund genudelte Schrauben oder bösen Überraschungen. Ganz im Gegenteil, die Überraschung fand sich unter der Heizung und war für mich sogar sehr angenehm:

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Ein typisches Rostnest des B ist nämlich der Kasten unterhalb des Lüftungsgitters. Aber eben der sieht beim Biest noch wirklich richtig gut aus. Flugrost, ja, aber sonst nur gesundes Blech. Der Schreiberling zeigt sich zufrieden und das Biest von seiner besten, wüstenkonservierten Seite.

Auftritt „Der Motorkran“! War auch Zeit, schließlich stand das Ding schon geraume Zeit in einer Ecke der Werkstatt und machte bisher nur durch sein raumgreifendes Wesen auf sich aufmerksam. Mit etwas Fiddelei (ich hatte ums Verrecken keinen Bock die Lenkung auszubauen. Das wäre aber nötig gewesen um das linke Motorlager vom Rahmen zu lösen. Remember, it’s a Gummiboot!) habe ich den Motor schneller heraus gehabt als gedacht. Genauer, so schnell, dass ich erst danach daran gedacht habe Fotos zu machen…

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Für mich war genau das, das Motor ziehen, das, was man im Managerdeutsch gerne als „Milestone“ bezeichnet. Ich brenne vor Neugier zu sehen wie der Klumpen nach einer Dampfstrahlerbehandlung und die Brennräume von innen aussehen. Aber davor ist erst mal die Karosserie dran. Achsen, Tank, Leitungen, alles muss noch raus bevor ich mich daran machen kann/möchte die Schweißarbeiten in Angriff zu nehmen. Oder den Lack und Unterbodenschutz zu entfernen. Denn dafür flirte ich mit der Idee des Höchstdruckwasserstrahlens, hauptsächlich weil ich überraschenderweise eine sehr günstige Möglichkeit dafür gefunden habe. Aber bevor ich in dem Punkt eine finale Entscheidung treffe will ich erst noch einiges über diese Methode erfahren.

Und sonst so? Kamera kaputt gegangen, habe für billig eine kleine Nikon Coolpix gefunden. Und ein deutsches Werstatthandbuch bei eBay. Das habe ich zwar schon in diversen Ausführungen, aber nur auf englisch. Und zu guter Letzt ist des Biests Geburtsurkunde vom BMHT eingetrudelt…die ich mir getrost hätte sparen können. Denn außer der Erkenntnis, dass das Biest am 23. August 40 Jahre alt wird, stand dort nichts neues drin. Der Motor ist der originale, der Wagen war ab Werk Glacier White, das Dach schwarz (o Wunder!) und der Innenraum Autumn Leaf. Das wird auch so bleiben…zumindest im Innenraum…

 

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