Es zieht sich…

Temporärer Stillstand, die quälendste Art des Fortschritts. Es geht nicht so richtig voran. Die Gründe dafür liegen zum einen Teil in Bereichen, die ich nicht kontrollieren kann, zum anderen in meinem Kopf.
Die zukünftige Werkstatt braucht noch etwas Arbeit. Die Hebebühne steht zwar an ihrem zugedachten Platz, aber der Anschluß für den nötigen Drehstrom fehlt noch. Die Podeste für selbige müssen noch gebaut werden, damit ich das Biest überhaupt auf die Bühne bekomme. Ein paar Regale und die Werkbank müssen noch an den finalen Platz. Und zu guter Letzt muss noch Werkzeug wie Motorständer und -kran, sowie ein großer Posten Sortierboxen geordert werden.
Bis auf die 380V-Steckdose allerdings nichts, was nicht über die Ostertage zu schaffen wäre.
Viel seltsamer ist das, was in meinem Kopf vor sich geht. Da macht sich eine Barriere breit, Gedanken und Zweifel mäandern vom Stammhirn zum frontalen Kortex und zurück wie eine Welle trägen Sirups: Wie fange ich an? Was nehme ich als erstes auseinander? Welche Probleme kommen von Karosserieseite auf mich zu? Kriege ich das alles hin? Reicht das Budget? Und: Was für lustige Ideen wird das Leben in der Zeit der Restaurierung für mich bereit halten, die den Neuaufbau ernsthaft einschränken könnten?
Kurz: ich ziere mich den ersten Schritt zu machen, die erste Schraube zu lösen.
Ich bin beruflich an Projekte gewöhnt. Allerdings sind diese meist von vorne bis hinten auf die Minute durchgeplant und auf fünf Wochen ausgelegt. Das Projekt „Biest“ ist da eine andere Hausnummer. Das will ich gar nicht minutiös planen, es soll ein Ausgleich sein, therapeutisches Schrauben, sozusagen. Genau deswegen habe ich auch keinen definitiven Fertigstellungstermin – auch wenn ich grob den Spätsommer 2015 anpeile, ich will Raum und Zeit dabei vergessen und ohne Stress fertig werden. Der Wagen soll den Raum haben, so zu werden, wie ich es möchte. Sauber aufgebaut und ohne Kompromisse, die mich dann der Freude am Endprodukt berauben könnten. Der Haken ist dabei: genau dieser Freiraum in der Planung ist für mich ungewohnt. Es fühlt sich an wie ein mentaler Bungee-Sprung – aber langsam wird es Zeit, diesen einen, kleinen Schritt über die Kante zu wagen und sich einfach fallen zu lassen. Das Seil wird schon halten.

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