Bühnenreif im Wilden Osten

Es ist vollbracht. Ich bin jetzt stolzer Besitzer und Eigentümer einer Takraf-Hebebühne – aber bis das Ding endlich in der heimischen Garage stand, war es ein ganz schön langer Weg. Nicht nur wegen der zu fahrenden Strecke. Aber: der Reihe nach.

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In der Theorie klang das alles eigentlich ganz einfach. Die Bühne ist in Kühnhaide im Erzgebirge. Ich westlich von München. Macht 451 km und, laut google, rund 4 Stunden fahrt. Der Plan war also: Abfahrt um 0800h, Ankunft in Kühnhaide gegen 1230h, Bühne verladen und dann wieder heim. Sollte bis 1800h zu schaffen sein, vor allem mit der Hilfe von Freund und Kollege Dion. Das war die Theorie.

Die Praxis sah etwas anders aus: Bis wir endlich mal losgekommen sind war es bereits 0900h. Daraus wurde 0930h, weil yours truly die Spanngurte vergessen hatte und noch mal umgedreht hat. Und kaum war endlich das Navi programmiert, zeigte sich das größte Loch im Plan. Google geht von einer Autobahngeschwindigkeit von 130 km/h aus – wir hatten am väterlichen Q5 allerdings einen Anhänger – und das hieß: stupide 80 Sachen Vmax. Ohne Tempomat, den hat Vatern sich nämlich gespart.

Überraschenderweise war die Zeitdifferenz laut Navi aber nicht so eklatant. Gegen 1400h, so der Audi Navigator, sollten wir unser Ziel erreicht haben. Alles gut also. Bis zum Autobahnkreuz Holledau. Dort wollte „Uschi“ nämlich nach rechts auf die A93 statt der A9 weiter zu folgen. Der Grund war schnell gefunden. Die Gute verspürte den Drang nach einem Ausflug in die Tschechische Republik. Das rief in mir ein gewisses Misstrauen hervor, schalmeite mir doch noch eine Warnung meines Vaters im Ohr…

„Sohn, fahr bloß nicht durch die Tschechei!“

Einzig das „Warum“ war mir nicht klar. Der Griff zum Mobiltelefon sollte Klarheit bringen:

„Du, Papa, warum soll ich noch mal nicht durch die Tschechei? – Weil da Straßen so schlecht sind! – Aha. Und woher hast die Info? – Das hat der XYZ gesagt… – Und wann? – Schon länger her. – Wie lange? 10 Jahre? 20 Jahre? – Naaaaaa…acht vielleicht. – Ok. Also ewig. Dein Navi will uns da nämlich hinschicken. – So? – Ja, wir probieren das jetzt einfach mal.“

Die fürderhinne Fahrt verlief ereignislos, wir überschritten die Grenze zur Tschechei bei Schirnding und alles schien in bester Ordnung. Direkt nach Cheb erwartete uns eine perfekt ausgebaute, brandneue und fast leere Autobahn – von wegen „mieße Straßen“, HA! Vignettenpflicht? Dions Bedenken dahingehend konnte ich locker mit zwei Argumenten entkräften:

  1. Das Navi hat keinen Ton von Maut gesagt.
  2. Da war nirgends ein Schild.

Hätte aber da sein sollen. Denn kurz nach einer kleinen Pause an einer Tanke circa 7 km vor Ostrov schob sich ein offiziell aussehender VW T5 an uns vorbei dessen Insassen uns neugierig beäugten. Kaum an uns vorbei forderte uns ein Schild am Heck des Bullis auf doch bitte zu folgen.

Ich machs kurz: der Spaß kostet normalerweise 5.000 Kronen, aber der nette Beamte reduzierte auf 2.000 – allerdings mit der Auflage uns von der Autobahn fern zu halten, solange wir keine Vignette haben. Klingt einfach, man muss ja nur beim Navi die entsprechenden Optionen „Vignette“, „Maut“ und „Autobahn“ auf vermeiden stellen, richtig?

Falsch. Zumindest in einem 2013er Audi Q5. Der Uschi ist das nämlich völlig wumpe und lotst einen immer wieder auf die Autobahn. In Ostrov hatte ich die Schnauze voll, an der nächsten Tanke wurde für 15 Euro eine 10-Tages-Vignette erstanden und endlich durften wir offiziell auf die Autobahn Hat sich auch voll gelohnt, denn nach nur 500 Metern endete der Straßenneubau und wurde zur Bundesstraße. Aber immerhin durch einen traumhaft schönen Landstrich. Mit hübschen Anhalterinnen.

Zumindest hielt ich die zwei hübschen Mädels auf der anderen Straßenseite, an denen wir vorbei fuhren, für ebensolche und witzelte noch „Ach, das waren aber zwei suße, vielleicht sind die ja auf unserem Rückweg noch da…?“ Irgendwann fiel mir dann doch auch auf, dass an dieser Bundesstraße verdammt viele Anhalterinnen standen. In mir sproß eine Theorie: „Du, Dion? Ich glaube, das sind gar keine Anhalterinnen…“. Nicht nur durch das plötzlich losbrechende Gelächter vom Beifahrersitz fühlte ich mich schlagartig ziemlich naiv.

Vorbei an malerischen Flüssen und Städtchen ging unsere Tour weiter, die Ankunftszeit hatte sich mittlerweile auf „deutlich nach Drei“ verschoben. Irgendwo hinter einem gigantischen Kohlekraftwerk schlug Uschi vor, nach der nächsten…“Anhalterin“…links abzubiegen. Über eine Straße im Format „Fahrradweg“ schlängelten wir uns wieder Richtung ehemaliger Zone. Irgendwann gegen 4 schlugen wir schließlich in Kühnhaide bei Bühnenkäufer Rico auf. Schnell war die Bühne inspiziert, getestet und, dank Rico Radlader, auf dem Hänger vertäut. Der Rückweg sollte uns nun doch lieber über Chemnitz führen. Die Aussicht, den oben erwähnten Radweg mit fast einer halben Tonne Stahl auf dem Hänger zu bewältigen rief Magengrummeln bei mir hervor.

Die Rückfahrt zog sich. Statt um, wie irgendwann mal geplant, 1800h wieder in der Heimat zu sein, wurde es doch 2230h bis wir den Hänger bei mir in der Einfahrt abstellen konnten. Trotz aller Widrigkeiten: wir hatten eine Mords-Gaudi.

 

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